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Kurz gesagt: Ein überholter Roboter kann eine technisch fundierte Anschaffung sein, wenn Herkunft, Steuerung, Softwareoptionen, mechanischer Zustand und Abnahmeprüfung zum vorgesehenen Einsatz passen. Der Preis des Arms sagt darüber nur wenig aus.
Neue und überholte Roboter werden häufig allein über den Preis verglichen. Das führt in die Irre, denn der Arm ist nur eine Position in den Kosten einer funktionsfähigen Zelle. Einen guten Gebrauchtroboter erkennt man an Nachweisen: Was ist in der Steuerung tatsächlich installiert, welche Belastungen hat die Mechanik erlebt, und wer hilft, wenn ein Bauteil ausfällt? Dieselben Fragen gelten für einen neuen Roboter; nur die Antworten unterscheiden sich.
Komplette Anlagen vergleichen, nicht einzelne Arme
Im Kaufpreis fehlen Werkzeuge, Transport, Montage, Kabel, Softwareoptionen, Schutzeinrichtungen, Programmierung, Ersatzteile und Stillstandskosten. Erstellen Sie zwei Lebenszyklusszenarien für dieselbe Anwendung mit denselben Risikoannahmen: eines für Neuausrüstung und eines für den überholten Roboter in seinem tatsächlich zugesagten Liefer- und Supportumfang. Ein niedrigerer Armpreis ist schnell aufgezehrt, wenn bei der Inbetriebnahme eine fehlende Option, eine veraltete Feldbuskarte oder lange Ersatzteilwartezeiten gelöst werden müssen.
Das gesamte Steuerungssystem prüfen
Ein Roboter besteht aus dem Arm und einer bestimmten Steuerungsgeneration, einem Handbediengerät, Antriebshardware, Firmware und lizenzierten Optionen. Lassen Sie jede Komponente genau identifizieren und prüfen Sie, ob die Kombination zusammengehört und zum Prozess passt: Feldbus der SPS, Anwendungssoftware und sicherheitsgerichtete Optionen. Fordern Sie eine Steuerungssicherung und die Originaldokumentation an. Eine Option auf einem Verkaufsblatt belegt nicht, dass sie lizenziert, aktiviert oder geeignet ist. Eine Vorführung der funktionierenden Option an genau dieser Steuerung liefert einen solchen Nachweis.

Eine wiederholbare mechanische Abnahmeprüfung verlangen
Fordern Sie Wartungsunterlagen und eine genaue Beschreibung der Überholung an: Welche Teile wurden ersetzt, welche nur geprüft, und was wurde lediglich gereinigt oder lackiert? Lassen Sie qualifizierte Personen messbares Spiel beziehungsweise Wiederholgenauigkeit, ungewöhnliche Geräusche, Dichtungen, Bremsen, Schlauchpaket und Kabelzustand prüfen. Nehmen Sie an einem Bewegungstest mit repräsentativer Last teil. Leiten Sie die Restlebensdauer weder aus frischem Lack noch aus einem einzelnen Betriebsstundenzähler ab. Stunden sagen wenig über frühere Lasten, Geschwindigkeiten und Umgebungsbedingungen.
Verbleibende Risiken eindeutig zuordnen
Halten Sie Abnahmeprüfung, Lieferzustand, Garantie und Ausschlüsse, Ersatzteilverfügbarkeit sowie die Zuständigkeit für die Integration schriftlich fest. Prüfen Sie in der EU außerdem die rechtliche Einordnung. Die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230, die ab Januar 2027 gilt und die Richtlinie 2006/42/EG ersetzt, behandelt Personen, die eine „wesentliche Veränderung“ vornehmen, als Hersteller. Ihre Erwägungsgründe beziehen auch aus Drittländern eingeführte Gebrauchtprodukte ein. Ob eine konkrete Überholung oder erneute Integration darunter fällt, müssen die Beteiligten mit ihren Konformitätsfachleuten klären. Ein überholter Arm kann für eine klar begrenzte Handhabungsaufgabe geeignet sein und dennoch schlecht zu einem kritischen Prozess passen, der garantierte Ersatzteilverfügbarkeit verlangt.
Checkliste vor Budget- oder Auftragsfreigabe
- Steuerung, Handbediengerät und Arm als zusammenpassendes System identifizieren und dokumentieren.
- Erforderliche Software-, Feldbus- und Sicherheitsoptionen an dieser Steuerung vorführen lassen.
- Den Überholungsumfang schriftlich trennen: ersetzt, geprüft oder lediglich kosmetisch aufgearbeitet.
- Mechanische Prüfung und bezeugten Bewegungstest mit repräsentativer Last vereinbaren.
- Den zugesagten Zeitraum für Ersatzteile und Support festhalten.
- Verantwortliche für Integration, Risikobeurteilung und Konformität benennen.
Was dieser Leitfaden nicht nachweist
Dieser Leitfaden ist eine Planungshilfe. Er bewertet keine Anbieter, nennt keine Preise und sagt keine Restlebensdauer voraus. Er ist weder Prüfbericht noch Produktzertifizierung oder Leistungsgarantie. Der Hinweis auf EU-Recht verweist auf den Verordnungstext und ist keine Rechtsberatung. Hardwareauswahl, funktionale Sicherheit, Maschinenkonformität und Inbetriebnahme müssen qualifizierte Personen am realen System überprüfen. Die genannten ISO-Normen sind kostenpflichtig und werden nicht abschnittsweise zusammengefasst.
Offenlegung: Der Autor ist CTO von Eurobots, einem Anbieter neuer und überholter Industrieroboter. Dieser Leitfaden soll Käufern helfen, jedes Angebot zu prüfen — auch eines von Eurobots.
Quellen und weitere Prüfung
- EUR-Lex — Verordnung (EU) 2023/1230 des Europäischen Parlaments und des Rates über Maschinen (2023-06-29; abgerufen am 2026-10-12).
- ISO — ISO 10218-1:2025, Robotik — Sicherheitsanforderungen — Teil 1: Industrieroboter (2025-02; abgerufen am 2026-10-11).
- ISO — ISO 10218-2:2025, Robotik — Sicherheitsanforderungen — Teil 2: Industrieroboteranwendungen und Roboterzellen (2025-02; abgerufen am 2026-10-11).
Der nächste sinnvolle Schritt
Für den Vergleich eines neuen und eines überholten Roboters sollten Anwendung, Traglast und Reichweite, erforderliche Steuerungsoptionen und Feldbus sowie Ihre Supporterwartungen feststehen. Nutzen Sie diese Angaben für den Einstieg über die Seite Robotik und Automation mit Lösungsfinder. Daraus entstehende Projekte werden über Eurobots/ReBots abgegrenzt und umgesetzt. Sie beginnen mit Machbarkeit und klaren Verantwortungsgrenzen, nicht mit einer vorausgesetzten schlüsselfertigen Installation. Den technischen Hintergrund dieser Leitfäden finden Sie im AYXWORKS-Portfolio.
Bildnachweis: ayxworks — eigene Darstellung, Rechte beim Herausgeber.
